Impulsvortrag auf der Didacta 2026 am Stand der Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind (DGhK e.V.)
Hochbegabung wird häufig erst spät oder gar nicht erkannt. Dabei machen hochbegabte Menschen etwa zwei Prozent der Bevölkerung aus. Woran erkennt man Hochbegabung bei Kindern im Kindergarten- oder Schulalter eigentlich?
Viele Eltern spüren früh, dass ihr Kind „anders“ lernt oder denkt, können es aber schwer einordnen. Nicht jedes besonders neugierige oder wissbegierige Kind ist hochbegabt – und nicht jedes hochbegabte Kind zeigt seine Fähigkeiten sofort in guten Schulnoten.

Am 12. März 2026 hatte ich die Freude, am Stand der Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind (DGhK e.V.) auf der Didacta in Köln einen Impulsvortrag zum Thema „Wie erkennt man Hochbegabung?“ zu halten.
Viele Menschen, die mit dem Thema bisher wenig Berührung hatten, verbinden Hochbegabung noch immer mit sehr spektakulären Bildern: kleine Wunderkinder, die mit einem Jahr in ganzen Sätzen sprechen, mit drei Jahren komponieren und sich mit acht an der Universität einschreiben.
Diese Vorstellungen sind zwar faszinierend, haben mit der Realität jedoch nur selten etwas zu tun.
Hochbegabte Kinder und Jugendliche sind genauso vielfältig wie alle anderen auch. Manche fallen durch besondere Leistungen auf, viele aber auch nicht. Manche wirken neugierig und wissbegierig, andere kämpfen mit Frustration, Rückzug oder schulischen Schwierigkeiten. Hochbegabung ist kein einheitliches Erscheinungsbild, sondern zeigt sich in sehr unterschiedlichen Formen.
In meinem Vortrag ging es deshalb darum, typische Hinweise auf Hochbegabung zu beleuchten und gleichzeitig mit einigen verbreiteten Mythen aufzuräumen.
Für alle Interessierten habe ich hier die wichtigsten Gedanken und meine Folien noch einmal zusammengestellt.
Wenn Sie Interesse daran haben, diesen Vortrag für Ihre Schule, Einrichtung oder Organisation zu buchen, nehmen Sie gerne Kontakt mit mir auf.
Die stereotype Vorstellung von Hochbegabung

Die stereotype Vorstellung von Hochbegabung sieht ungefähr so aus: Hochbegabte Kinder sind leistungsstark, übermäßig interessiert und schulisch erfolgreich. Glänzende Schüler – Schülerinnen werden übrigens deutlich seltener erkannt – die scheinbar keine Unterstützung brauchen, weil sie alles alleine können.

Diese Vorstellung entspricht jedoch nur selten der Realität. In Wirklichkeit müssen viele Faktoren zusammenkommen, damit sich eine hohe Begabung auch tatsächlich in hohe Leistung übersetzt.

Über der Oberfläche sehen wir häufig die positiven Eigenschaften. Darunter aber kann es durchaus brodeln. Hochbegabte Menschen erleben ihre Interessen oft mit großer Intensität und sind gleichzeitig immer wieder irritiert von ihrer Umwelt. Perfektionismus kann ihnen im Weg stehen, und das Gefühl der Andersartigkeit führt nicht selten dazu, dass sie sich sozial eher am Rand von Gruppen wahrnehmen.
Hochbegabung im Kindergartenalter erkennen

Im Kindergartenalter fallen diese Kinder häufig als kleine „Dreikäsehochs“ auf, mit Fragen zu Gott, dem Universum oder der Beschaffenheit und Herkunft von Gestein. Wenn sie sich für etwas interessieren, tauchen sie mit großer Tiefe in ein Thema ein.
Gleichzeitig erleben Erwachsene oft eine gewisse Asynchronität in der Entwicklung. Während ein Kind bereits komplexe Sätze formuliert und sehr differenzierte Fragen stellt, kann es sein, dass es sich noch nicht selbstständig die Schuhe binden kann oder Unterstützung bei alltäglichen Dingen braucht.
Diese Mischung aus kognitiver Reife und entwicklungsbedingter Unreife kann für Außenstehende manchmal irritierend wirken.
Hochbegabung im Schulalter erkennen

Im Schulalter fallen hochbegabte Kinder manchmal noch positiv durch ihr großes Vorwissen und ihren Perfektionismus auf, der sie scheinbar mühelos durch die Grundschule trägt.
Andere Kinder langweilen sich jedoch so sehr, dass Lehrkräfte eher störendes Verhalten wahrnehmen. Sie wirken unkonzentriert, stellen viele Fragen oder beschäftigen sich mit anderen Dingen.
Auch im Sportunterricht zeigt sich die große Bandbreite: Manche Kinder glänzen durch außergewöhnliche Leistungen, andere haben noch immer Schwierigkeiten mit grundlegenden Bewegungsabläufen wie dem Halten des Gleichgewichts.
Hochbegabung in der Pubertät erkennen

Spätestens in der Pubertät bricht bei vielen hochbegabten Jugendlichen die Motivation für Schule ein, wenn ihre Begabung bis dahin nicht erkannt wurde.
Das Gefühl der Andersartigkeit wird stärker, ebenso die Frage nach dem Sinn des Lernens. Jugendliche beginnen stärker zu hinterfragen, warum sie bestimmte Dinge lernen sollen und wofür sie diese brauchen.
Gleichzeitig beobachten wir unterschiedliche Reaktionsmuster:
Manche Jugendliche entwickeln ein sogenanntes Underachievement, bei dem ihre Leistungen deutlich hinter ihren Fähigkeiten zurückbleiben. In manchen Fällen kann das sogar bis zum Schulabbruch führen.
Andere reagieren mit Overachievement – extremem Leistungsdruck und Perfektionismus, der langfristig bis zur Erschöpfung führen kann.
Warum Hochbegabung häufig unerkannt bleibt

Hochbegabung bleibt häufig unerkannt, weil unser Schulsystem Anpassung belohnt und Kinder sich in konstanten Bewertungssituationen befinden.

Als Pädagoginnen und Pädagogen lohnt es sich deshalb, neugierig zu bleiben, Beziehungen zu stärken und offen zu hinterfragen, welche Gründe hinter einem Verhalten stehen könnten, das zunächst irritiert.
Auch wenn man im Kollegium manchmal auf Granit beißt, lohnt es sich, im Gespräch zu bleiben, Expertinnen und Experten hinzuzuziehen und gemeinsam mit Eltern genauer hinzuschauen.

Hochbegabung kommt genauso vielfältig daher wie die Kinder und Jugendlichen, die uns begegnen. Lassen Sie uns zusammen mit offenen Ohren und Augen für sie da sein!
Vielen Dank fürs Lesen!
Angelina Kölzer
Wegweiser Familiencoaching
